• Christine Hefti

Impotenz


"Mein Mann ist seit langem impotent. Er hat alles versucht, auch Viagra, aber es nützte nichts. Früher hat er mich gestreichelt, aber das ertrage ich nicht mehr. Darunter leide ich sehr, denn ich bin ein sinnlicher Mensch und die körperliche Nähe würde mir gut tun, aber irgend etwas in mir sträubt sich dagegen. Mein Mann macht alles für mich, und er leidet auch unter der Situation, obwohl er versteht, dass ich nach all den Versuchen irgendwie den Mut verloren habe. Ich habe ihn sehr gerne, und wir haben es sonst gut zusammen. Vielleicht denken Sie ja, das sei ein Luxusproblem, aber wenn man so unter dem eigenen Unvermögen leidet wie ich, ist das nicht so einfach. Ich bin leider hochsensibel und wenn ich mich verletzt fühle, habe ich grosse Mühe, wieder auf den Menschen zuzugehen. Wieso kann ich nicht über meinen Schatten springen, obwohl ich es gerne möchte?" Mirjam, 42


Liebe Mirjam «Mein Mann ist seit langem impotent und selbst Viagra nützt nichts.» Hinter diesem Satz steht kein Luxusproblem, sondern eine schwerwiegende Herausforderung für Ihre Ehe. Selbst wenn es handfeste organische Gründe für eine Impotenz gibt, ist das für eine Partnerin schwierig zu verkraften. Es gibt aber auch psychische Ursachen, zum Beispiel negative frühere Erlebnisse, Unsicherheit oder Unterlegenheitsgefühle des Mannes. Wenn ein Partner langfristig nicht auf seine Frau "steht», ist das eine enorme Kränkung für sie. «Warum begehrt er mich nicht? Bin ich nicht schön genug? Liegt es an mir?» fragt sie sich. Jede Frau in dieser Situation fühlt sich verletzt und beginnt an sich selbst zu zweifeln. Vielleicht wäre Ihnen der Geduldsfaden schon lange gerissen, wenn Ihr Mann nicht so nett wäre und sich so viel Mühe gäbe. Das bringt Sie in ein Dilemma: Ihr Mann tut Ihnen leid. So stellen Sie Ihre Bedürfnisse zurück und nehmen das Problem auf sich: Sie seien bloss hochsensibel und müssten lernen, über Ihren Schatten zu springen und sich mit ein paar erzwungenen Streicheleinheiten zufrieden zu geben. Ihre unterdrückten Gefühle der Kränkung, der Wut und der Trauer über den Verlust einer erfüllten Sexualität äussern sich in Form einer zunehmender Aversion. Der Ausweg ist es, gut auf sich selbst zu hören und bei Ihrem Mann zu den eigenen Gefühlen zu stehen. Auch lohnt es sich, herauszufinden, welches beim Mann die Gründe für seine Impotenz sind. Eine Paartherapie könnte Ihnen dabei bestimmt helfen.




©Text: Christine Hefti ©Bild: Fotolia


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