• Christine Hefti

Ist mein Sohn ein Messie?


"Mein Sohn ist Ende vierzig und lebt allein. Er ist erfolgreicher Sportler und trainiert täglich. Zudem engagiert er sich als Präsident eines Sportvereins. Auch kulturell ist er interessiert und kocht gerne, manchmal auch spätabends. Bei so vielen Interessen verstehe ich zwar, dass manchmal etwas unerledigt liegen bleibt. In der Wohnung häufen sich aber Zeitungen, Broschüren, Heftli und allerlei Korrespondenz. Er meint seit Jahren nur, er komme nicht dazu. Es wird jedes Jahr schlimmer. Wie kann ich ihm helfen?" Margrit, 72


Liebe Margrit Das Messie-Syndrom äussert sich durch eine Sammelwut. Die Menschen bewahren alles auf. Viele Messies sind einsam und können die alltäglichen Aufgaben des Lebens nicht mehr bewältigen, weil sie buchstäblich zugemüllt sind und oft kaum mehr durch ihre Wohnung kommen. Das Materielle gibt ihnen Sicherheit, da die Dinge immer da sind. Manche Menschen nehmen sich auch einfach zu viel vor und haben Mühe, Prioritäten zu setzen. Sie bewahren Zeitungsausschnitte, Heftli etc. auf, in der Annahme, man könnte sie dann irgendwann noch lesen. Bei Ihrem Sohn scheint das Letztere der Fall zu sein. Er ist tüchtig und funktioniert im Alltag gut, hat aber vermutlich die Tendenz, die unangenehmen Arbeiten vor sich herzuschieben. Dafür gibt es ein schönes Wort: Prokastrinieren. So schmeisst er seinen Bürokram einfach auf einen Haufen, sodass das Aufräumen nur unter extremem Druck oder überhaupt nie zustande kommt. Sie könnten Ihrem Sohn also anbieten, mit ihm zusammen an ein oder zwei Sonntagen das ganze Chaos aufzuräumen und ein sinnvolles Ordnungssystem anzulegen.


©Text: Christine Hefti, Foto: Fotolia


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