• Christine Hefti

Kein gemeinsamer Nenner

"Ich bin verheiratet, habe eine kleine Tochter und lebe mit meiner Familie im eigenen Haus. Leider finden mein Mann und ich im Zusammenleben je länger, je weniger einen gemeinsamen Nenner. Weder in der Kindererziehung noch in der Pflege von Haus und Garten und auch nicht in Glaubensfragen – ich glaube an Gott, mein Mann nicht. Er beklagt sich häufig, dass er müde und erschöpft ist. Er hat viel im Haus gebaut und sicher liegt es auch an seinem ungeliebten Job liegt. Ich bin gefordert durch den Haushalt, die Gartenpflege und natürlich auch durch unsere kleine Tochter. Für mich ist es wichtig, dass alles möglichst perfekt ist, und entsprechend viel Zeit brauche ich für meine Aufgaben. Mein Mann fühlt sich deshalb vernachlässigt und auf dem Abstellgleis, zumal er auch keine richtigen Freundschaften pflegt. Kurz: Um unsere Ehe ist es nicht gut bestellt, und seit einiger Zeit möchte mein Mann, dass ich ausziehe. Ich habe keine Ahnung, wie es weitergehen soll."  Leonie, 31


Liebe Leonie Aus Ihrem Brief höre ich Folgendes heraus: Sie führen eine junge Ehe und haben ein herziges kleines Kind. Finanziell geht es Ihnen gut, denn Sie konnten zusammen ein Haus bauen. Neben seinem unbefriedigenden Job opfert Ihr Mann offenbar seine ganze Freizeit, um für seine kleine Familie ein Zuhause zu schaffen. Er ist erschöpft und ausgebrannt. Für Sie ist es ein Ding der Unmöglichkeit, mit einem kleinen Kind, Haushalt und Garten perfekt in Ordnung zu halten. Für eine Perfektionistin wie Sie ist das alles nicht zu schaffen. Auch haben Sie genaue Vorstellungen davon, wie Gott in Ihr Familienleben einzubeziehen sei und welche Regeln in der Erziehung gelten sollen. Der Mann ist da aber teilweise anderer Meinung. So fühlen Sie sich überfordert, da Sie es nicht schaffen, Ihren hohen Ansprüchen an sich selbst gerecht zu werden. Dass Ihre Ehe auf Dauer so nicht gut gehen kann, ist klar. Ihr Mann ist verzweifelt und sieht als einzige Möglichkeit eine räumliche Trennung. Bevor Sie nun einen Auszug überstürzen, empfehle ich Ihnen beiden vorher eine Paarberatung. Lernen Sie sich selbst und Ihren Mann verstehen! Was gemeinsame Regeln im Haushalt und in der Kindererziehung betrifft, so plädiere ich für mehr Toleranz. Für ein Kind ist es nicht so wichtig, dass die Eltern immer in allen Dingen gleicher Meinung sind! Viel wichtiger ist es, dass die Eltern ein Klima der Zufriedenheit schaffen und respektvoll miteinander umgehen.


© Text: Christine Hefti, Foto: Wix


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