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Mein Sohn ist ein Einzelgänger

"Mein Sohn (22) ist ein Einzelgänger und hat Mühe, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Ich frage mich, ob man als Einzelgänger geboren wird. Oder macht man sich im Verlauf des Lebens selbst dazu oder sind bestimmte Umstände und Gegebenheiten verantwortlich? Zum Beispiel durch den Einfluss der Familie oder eine bestimmte Geschwisterkonstellation? Hat man als Einzelgänger vermehrt Beziehungsängste und/oder ist gar nicht beziehungsfähig? Sendet man Signale an die Nächsten aus mit der Körperhaltung, der Mimik? Droht dem Einzelgänger schlussendlich die Einsamkeit?" Helene, 55


Liebe Helene

Niemand wird als Einzelgänger geboren – wir Menschen sind soziale Wesen. In der Evolution hatten diejenigen Hominiden in der wilden Natur die besseren Überlebenschancen, welche sich in Gruppen zusammenschlossen. Parallel zeigt sich die soziale Ausrichtung auch in der individuellen Entwicklung: Der menschliche Säugling ist eine «biologische Frühgeburt» – im Gegensatz zu vielen Tieren ist er jahrelang von der Zuwendung und Pflege seiner Bezugspersonen abhängig. Wir sind also auf andere Menschen angewiesen, um zu überleben. Sind die Bezugsperonen verlässlich und einfühlsam, kann das Kind Vertrauen und Gemeinschaftsgefühl erlernen. Es hat später keinen Grund, sich von den Menschen abzuschotten. Auch das Kind bildet sich im Wechselspiel mit den Eltern eine Meinung von der Welt, und verhält sich dementsprechend. Aufgrund seiner Erwartungen macht es immer wieder ähnliche Erfahrungen, die sich mit den Jahren zu seiner individuellen Wirklichkeit zementieren. Grundsätzlich kann man sagen, dass empathische Menschen, die sich auf Freundschaften einlassen können, psychisch gesünder sind als Einzelgänger. Einzelgängertum ist im Grunde eine Haltung des Rückzugs aufgrund eines gefühlten Versagens oder einer Angst. Meist legen sich Einzelgänger eine eigene Lebensphilosophie zurecht, um diesen Lebensstil vor sich selbst zu rechtfertigen.


© Text: Dr. Hefti, Foto: Wix

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