• Christine Hefti

Irritierend

Meine Freundin, 34, ist seit einigen Jahren Nichtraucherin. Sie hat sehr gekämpft dafür und irgendwann den Nuggi als Zigarettenersatz entdeckt. Zuerst dachte ich, das sei ja nur für kurze Zeit. Aber zu Hause benutzt sie den Nuggi immer noch. Das stört mich zwar nicht, aber ein bisschen seltsam finde ich es doch. Liege ich da falsch?



Lieber Jacques Zuerst einmal möchte ich Ihrer Freundin dazu gratulieren, dass sie mit dem Rauchen aufgehört hat. Von einer gesundheitsschädigenden Sucht wegzukommen, ist eine bewundernswerte Leistung! Aber Sie haben natürlich recht: Nuggis werden mit Babys assoziiert und wirken für einen Erwachsenen unpassend. Babys durchlaufen eine «orale Phase», das heisst, sie erkunden die Gegenstände, indem sie sie in den Mund nehmen. Für ein Baby ist das normal und wichtig, um in den ersten Monaten das Denken und Fühlen auszubilden. Babys beruhigen sich auch dadurch, dass sie an etwas nuckeln können, etwa durch Saugen an der Brust, am Daumen oder eben an einem Nuggi. Da dieses Verhalten früh in uns Menschen angelegt ist, lernen viele Menschen, sich auch später oral, also über den Mund, zu beruhigen und zu belohnen, etwa durch das Saugen an einer Zigarette, durch ständiges Essen oder durch Süssigkeiten. Ein Nuggi ist zwar weniger schädlich als diese Süchte, zeigt aber doch ein Steckenbleiben in dieser oralen Phase. Als Erwachsene haben wir auch andere Möglichkeiten, um unsere innere Balance wiederzufinden, etwa durch eine kreative oder soziale Tätigkeit, eine sportliche Leistung oder ein schönes Hobby.


©Text und Foto: Christine Hefti

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