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Doppelleben


"Vor einigen Jahren habe ich, Mutter eines schulpflichtigen Sohnes, meinen Partner kennengelernt. Er hat eine erwachsene Tochter. Wir leben zusam­men, seine Tochter hat aber eine eigene Wohnung und kaum Kontakt zu mir und dem Kleinen. Bisher wich mein Partner mir immer aus, wenn es um ge­meinsame Pläne ging. Er lebt ganz im Hier und Jetzt und will nichts anderes. Heiligabend verbrachte er immer bei seiner Mutter und seiner Tochter. Selbst die Mutter meines Lebensgefährten legt keinen Wert auf Kontakt. Ich habe dies nie verstanden und immer alles getan, um einen liebevollen Kontakt aufzu­bauen, ohne Erfolg. Mein Lebensgefährte pflegt hinter meinem Rücken den Kon­takt zu Tochter und Mutter, trifft sie auch. Mir sagt er immer, er sei an der Arbeit. Er lebt in meinen Augen ein Doppelleben. Ich möchte so auch nicht mehr weitermachen." Regine, 44


Liebe Regine Die eigenen Eltern und das eigene Kind sind doch «Familie», die wichtigsten Menschen der Welt. Sie als neue Partnerin kamen im Leben Ihres Partners erst vor wenigen Jahren hinzu. Sie stehen also klar an zweiter Stelle. Dies gilt es anzuerkennen! Die Mutter und die Tochter des Partners sind keine Konkurrenz zu Ihnen. Das wäre ein narzisstischer Denkfehler. Warum soll Ihr Partner nicht an einem Weihnachtstag mit seiner Familie feiern dürfen und am andern Tag mit Ihnen? Meiner Meinung nach spricht nichts dagegen. Er darf auch mit seiner Tochter SMS austauschen, ohne Ihnen darüber Rechenschaft abzulegen. Mit einem «Doppelleben» hat das nichts zu tun. Seltsam ist, dass Ihr Freund Sie wegen solcher Selbstverständlichkeiten anlügen muss. Vielleicht ist er es leid, sich rechtfertigen zu müssen, und zieht eine Notlüge vor? Ich empfehle Ihnen dringend, dieses Mutter-Tochter-Thema einmal ruhen zu lassen. Legen Sie vielmehr das Augenmerk auf Ihre Partnerschaft. Zeigt Ihr Freund Ihnen seine Liebe? Geht er respektvoll mit Ihnen um? Spüren Sie, dass er gerne mit Ihnen zusammen ist? Lachen Sie auch einmal zusammen? Das ist es doch, was in einer Beziehung zählt!




© Text: Christine Hefti, Foto: Fotolia


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