• Christine Hefti

Heimliche Liebe

"Ich habe seit etwa sechs Jahren eine Bekanntschaft mit eini­gen Tiefs und Hochs, was auch immer mit meiner Familie und anderen Bekannten zu tun hatte. Ich verstehe mich mit meinem Freund gut und verbringe schöne Stun­den mit ihm. Nur meine jüngste Tochter und mein Bruder haben etwas gegen mei­nen Bekannten, obwohl sie ihn nicht rich­tig kennen und ihn für Vieles vom Hören­sagen verurteilen. Seit einiger Zeit verkehre ich mit ihm nur noch heimlich. Meine Tochter und mein Bruder wissen nichts davon, ich denke, sie ahnen etwas. Soll ich es den beiden sagen, oder soll ich es auf mich zukommen lassen? Bin ich ir­gendwie verpflichtet, es preiszugeben, obwohl ich weiss, dass ein böser Kommen­tar folgt, oder muss ich sogar auf schöne zweisame Stunden verzichten?" Annemarie, 72



Liebe Annemarie Ich gönne Ihnen die schönen Treffen mit Ihrem Freund von Herzen! Geniessen Sie sie ohne schlechtes Gewissen! Sie haben doch Ihr eigenes Leben und sind niemandem Rechenschaft schuldig. Natürlich dürfen Familienmitglieder oder nahe Freunde ungefragt ihre Meinung kundtun, wenn sie in Sorge um Sie sind. Eine Bemerkung oder Diskussion reicht aber. Niemand hat das Recht, sich dauernd in Ihr Leben einzumischen und Ihnen Vorschriften zu machen. Wenn man Sie immer wieder vor Ihrem Freund 'warnen' will, ist das übergriffig. Die Frage ist immer, wozu jemand das tut. Oft sind eigene Interessen das Motiv dahinter, zum Beispiel Geld oder Eifersucht. So dient die vordergründige 'Besorgnis' eigentlich dazu, Ihnen die Freundschaft mit dem Mann zu vergällen. So ist es nachvollziehbar, dass Sie nun zurückhaltend sind und Ihrer Tochter und dem Bruder nicht mehr alles brühwarm unter die Nase reiben. Mit wem Sie sich treffen, ist doch Ihre Sache, und Sie tragen die Verantwortung dafür selber. Genau so sagen Sie das, falls Sie darauf angesprochen werden sollten.


© Text: Christine Hefti, Foto: Fotolia


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