• Christine Hefti

Nur noch Dekoration


"Ich habe zwei kleine Jungs, vier und sechs Jahre alt. Meine Aufgabe als Mutter und Familienfrau erfülle ich gerne. Mit meinem Mann bin ich seit fast 20 Jahren zusammen. Er ist geschäftlich sehr eingespannt, und das Geschäft nimmt auch in der Freizeit einen grossen Platz ein. Ich fühle mich oft nur noch als Dekoration zuhause, bin frustriert und einsam zu zweit. Ich thematisiere das auch mit meinem Mann. Er hört mir zwar zu und sagt, er verstehe mich, aber ich werde immer vertröstet. Unser Paarleben ist sozusagen inexistent. Letztes Jahr habe ich ein neues Hobby für mich entdeckt, das meine Batterien wieder auflädt. In diesem Zusammenhang habe ich einen Mann kennengelernt, der mich mit Aufmerksamkeit überschüttet und mir per SMS sogar den Hof macht. Ich habe ihn noch nie allein getroffen, aber ich merke, wie emotional ich auf ihn reagiere. Auf keinen Fall will ich meinen Mann betrügen oder sogar die Familie verlassen. Aber ich habe mich unbestritten ein wenig verliebt. Nun schimpfe ich ständig mit mir und sage mir, dass das idiotisch ist und ich ein Wohlstandsproblem habe. Ich versuche mich an die Stelle meines Mannes zu versetzen. Und doch, wenn der andere Mann schreibt, schreibe ich zurück und freue mich. Soll ich jetzt einfach so weiterleben und mein Frau-Sein nicht mehr leben können? Ich brauche das Gefühl, begehrt zu werden, doch auch.“ Monika, 45


Liebe Monika Da Sie sich in Ihrer Ehe zu kurz gekommen fühlen, sind Sie empfänglich für die Zuwendung eines anderen Mannes. Das ist nicht weiter erstaunlich. Sich in einer Ehe bloss als Dekoration zu fühlen, ist nicht schön. Nehmen Sie also dieses Verliebtsein als Warnsymptom ernst, und tun Sie es nicht als ‚idiotisch’ ab. Aber überbewerten dürfen Sie es auch nicht. Es ist ein Symptom des Zustandes Ihrer Ehe. Nicht mehr und nicht weniger. Der Mann gibt Ihnen das Gefühl des Begehrt-Seins, das Ihnen in der Ehe fehlt. Er weckt also bloss Ihre eigenen Sehnsüchte, die Sie unterdrückt hatten. Eigentlich erhoffen Sie sich das alles ja von Ihrem Ehemann und nicht von einem Fremden. Anstatt sich also in Fantasien hineinzusteigern, ist es besser, den Fokus auf die Ehe zu richten. Sagen Sie Ihrem Mann deutlich, was Ihnen in der Ehe fehlt, und äussern Sie Ihre Bedürfnisse. Wenn Ihr Mann nicht darauf eingeht, können Sie ihm ruhig andeuten, dass Sie sich ein bisschen verliebt haben. Das hilft meistens, um den Ernst der Lage zu realisieren. Eine Ehe läuft ja nicht einfach nebenher, sondern braucht auch ein bisschen Pflege: Das ist gemeinsame Beziehungszeit, Interesse am andern und Wertschätzung. Und natürlich Zärtlichkeit und Sexualität. Das ist das Öl, das den Motor der Liebe am Laufen hält.


© Text: Christine Hefti, Foto: Fotolia


#frustriert #einsam #paarbeziehung

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