• Christine Hefti

Offenheit in der Ehe

"Ich bin seit bald sechs Jahren verheiratet. Meinem Mann gegenüber bin ich sehr offen und erzähle ihm alles, was mich freut, aber auch bedrückt. Er kennt meine schlimmsten Sorgen und Nöte, denn ich sage ihm wirklich, wie es mir geht, worüber ich mich sorge oder was mich verunsichert. Mein Mann hingegen hat Mühe, über seine Gefühle zu sprechen. Leider fühle ich mich auch von meinem Mann oft nicht richtig verstanden. Er ist mir gegenüber eher verschlossen, und ich weiss kaum, was in ihm vorgeht. Wenn ihn beispielsweise im Geschäft etwas stresst, erfahre ich das höchstens zufällig. Ich finde aber, in einer guten Ehe sollte man sich doch alles erzählen können und beste Freunde sein, oder etwa nicht?" Ariane, 34


Liebe Ariane Nein. Ich bin der Meinung, dass der Ehepartner nicht zwingend der «beste Freund» sein muss. Natürlich ist Ver­trauen und Verlässlichkeit in einer Part­nerschaft zwingend. Beim "besten Freund" schliesst die Freundschaft aber ein Höchst­mass an Offenheit und Mitteilungsbereit­schaft ein. Dort kann man über Frust jam­mern, Ärger äussern, Sorgen und natürlich Freude teilen. Idealerweise gibt es in einer guten Freundschaft keine Geheimnisse und keine Tabus. Und nun kommt der entscheidende Unter­schied: Während man einen guten Freund ab und zu trifft und sich intensiv mit ihm austauscht, lebt man in einer Ehe ständig und physisch zusammen. Man teilt das Bett und finanzielle Belastungen, muss täglich Absprachen treffen, erzieht die Kinder, ist in gemeinsamer Verantwor­tung aufeinander angewiesen. In einer so engen Gemeinschaft macht es Sinn, dass ein gewisses Mass an emotionaler Zurückhaltung geübt wird. Wenn die Freundschaft mit Ihrer besten Freundin also von A bis Z geht, dann ist es besser, wenn die Offenheit in einer Ehe nur von A bis W reicht. Selbstzweifel wegen ein paar Kilos zu viel, Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes oder ein netter Chat mit einem alten Kollegen auf Facebook gehören dann in den X­, Y­, Z­-Bereich. Solche Themen könnten Ihre Ehe zu stark belasten und zu einer destruktiven Entwicklung führen.





©Text: Christine Hefti, Bild: Fotolia


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