• Christine Hefti

Patchworkfamilie



"Unsere Tochter ist seit einiger Zeit geschieden. Die zwei Enkel, beide in der Pubertät, leben beim Vater und seiner neuen Partnerin. Dies war eine Abmachung der Eltern, die für uns schwer zu akzeptieren war. Die Buben kommen mit der Stiefmutter nicht zurecht, vor allem der Ältere versteht sich gar nicht mit ihr. Die Kinder sind zwar oft bei uns, der Vater jedoch will keinen Kontakt mehr. Wir glauben, dass seine neue Frau dahinter steht. Sie bestimmt den Alltag und verhindert, dass die Kinder ein normales Familienleben mit Eltern, Stiefeltern und Grosseltern leben können. Auch steht es wohl im Haushalt des Vaters nicht zum besten. Öfter wird aus dem Kühlschrank gegessen und die Kinder werden manchmal allein gelassen. Das erzählen dann der Mutter. Wenn unsere Tochte ihren Ex-Mann darauf anspricht, wird er ungehalten und sagt, die Buben würden übertreiben. Er und unsere Tochter können kaum mehr kommunizieren. Wir machen uns grosse Sorgen um die Kinder. Der Vater sollte doch auf ihrer Seite stehen!"  Anna, 71


Liebe Anna Patchwork-Familien sind eine Herausforderung für alle Beteiligten - und auch für die neuen Partner. Sie haben sich in eine Person verliebt, kriegen aber das ganze «Paket» mit dazu. Die Partnerin Ihres ehemaligen Schwiegersohnes hat die «fremden» Kinder nicht bloss zu Besuch, sondern muss den Alltag mit ihnen bewältigen. Wenn beide Erwachsenen dann noch berufstätig sind, versteht sich von selbst, dass nicht jeden Abend ein frisch gekochtes Essen auf dem Tisch stehen kann. Auch ist klar, dass die neue Partnerin das Zusammenleben entscheidend mitbestimmt und die Kinder auch einmal zurechtweisen muss. Ich verstehe auch Ihre Sorge: Als geschiedene Mutter kenne ich die Klagen meiner Tochter über die «böse Stiefmutter» von früher. Es bricht einem das Herz, das Kind unglücklich zu sehen! Und doch müssen wir uns damit abfinden, keine Kontrolle darüber zu haben, wie es beim Expartner läuft. Sie als ehemalige Schwiegermutter können hier erst recht keinen Einfluss nehmen. Man kann dem Kind zwar Verständnis anbieten, muss die Situation aber auch relativieren und es ermutigen, die Konflikte zu klären. Auch für Ihre Tochter gilt es zu vermitteln, anstatt den Protest und die Opferrolle des ältesten Sohnes zu schüren. Sie hätte auch die Möglichkeit, dem Vater Hand für konstruktive Lösungen zu bieten. Vielleicht könnte der ältere Sohn einmal eine Zeit lang bei der Mutter wohnen? Das könnte alle Beteiligten entlasten. Unsere Kinder müssen sich im Laufe ihres Lebens mit verschiedenen neuen Menschen arrangieren – netten und weniger netten. Wir können sie nicht davor schützen, sondern sie lediglich darin unterstützen, angemessen damit umzugehen.





©Text: Christine Hefti   ©Bild: Fotolia


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