Blog

Wie soll das Geld in der Ehe aufgeteilt werden?

„Ich bin verheiratet, wir haben drei Kinder. Hauptsächlich bin ich Familienfrau. Daneben arbeite ich Teilzeit im Rahmen von 20 bis 30 Prozent in einem schlecht bezahlten Job. Da das jüngste Kind langsam 'ausfliegt', würde ich gerne mein Arbeitspensum erhöhen. Beruflich würde ich gerne etwas anderes machen. Es ist sehr schwierig, in meinem Alter eine neue Teilzeitstelle zu finden. Ursprünglich habe ich eine kaufmännische Lehre absolviert. Wir haben ein gemeinsames Konto, auf das mein Lohn und derjenige meines Mannes gehen, auch sein Bonus, den er Ende Jahr erhält. Jeder von uns hat ein 'Sackgeld' für Kleinigkeiten wie Bücher, Kleidung, Sport, etc. Alles andere geht vom gemeinsamen Konto ab. Ich frage mich, ob diese Handhabung in Ordnung ist. Ich habe manchmal ein schlechtes Gewissen, wenn ich einmal etwas mehr nehme. Auch fühle ich mich finanziell etwas eingeengt, obwohl ich auch etwas dazu verdiene, was jedoch in den gemeinsamen Pot geht. Meine kinderlose und berufstätige Freundin sagt mir, das sei ein Fehler. Ich sollte etwas für mich abzweigen dürfen, ohne meinem Mann Rechenschaft ablegen zu müssen. Wie sehen Sie das? Liefern andere Frauen auch alles ab, was sie verdienen? Was ist üblich? Ich traue mich nicht, herumzufragen, da dies etwas sehr Privates ist.“ Daniela, 55



Liebe Daniela

Dass alles in einen Topf geht und sich jeder nimmt, was er braucht, tönt sinnvoll. Ihr Gefühl der ‚Einengung‘ rührt vermutlich daher, dass Sie sich verpflichtet fühlen, dem Ehemann über Ihre Ausgaben Rechenschaft abzulegen. Sie haben ein schlechtes Gewissen, weil Sie denken, dass es ‚sein‘ Geld ist, das Sie ausgeben. Das geht vielen Ehefrauen so: Die klassische Rollenaufteilung mit dem Mann als ‚Hauptversorger’ der Familie beinhaltet ein Machtgefälle: Da er mehr verdient, ist die Frau wirtschaftlich von ihm abhängig. Der Wunsch, Ihr selbst verdientes Geld in ein eigenes ‚Kässeli‘ zu legen, ist auf diesem Hintergrund nachvollziehbar: So würden Sie sich finanziell unabhängiger fühlen. Der Denkfehler ist: Es ist nicht ‚sein’ Geld, das Sie ausgeben, sondern Ihr gemeinsames Geld! Ihr Beitrag für die Familie war es ja, Ihr berufliches Fortkommen zu opfern, damit Sie Zeit für die Kinder hatten und Ihrem Mann den Rücken freihalten konnten. Sie haben einen Preis dafür gezahlt, denn Sie haben auf Ihre Karriere verzichtet. Heute haben Sie geringere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Den Ausgleich schafft der Mann mit seinem Lohn, von dem er Ihnen die Hälfte abgibt. Dieser Betrag steht Ihnen zu — ohne schlechtes Gewissen und ohne Schuld der Rechenschaft! So schiene mir für eine neue Regelung logisch, dass der Mann das gleiche ‚Taschengeld‘ wie Sie auch für sich selber abzweigen dürfte.


© Dr. Christine Hefti, Foto: Fotolia

#partnerschaft #geld #karriere






Bild%203_edited.jpg

© 2020 by Christine Hefti. Fotos: Fotolia, Wix, Canva

Dr. phil. Christine Hefti

Center Kirchplatz

Löwenstr. 17

CH- 8953 Dietikon/ Zürich

info[at]psychologische-praxis.ch

T: 078 708 05 09