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Zweifel vor der Heirat

„Wir planen dieses Jahres zu heiraten. Ich bin mir jedoch nicht ganz sicher und zwar aus folgenden Gründen: Einmal habe ich unerwartet eine E-mail von meiner Ex-Freundin bekommen. Da ich nicht wusste, wie meine Freundin reagieren wird, habe ich ihr vorgespielt, dass es eine Nachricht einer alten Bekannten war. Sie hat meine Lüge jedoch entdeckt und es gab einen grässlichen Streit. Wir hätten uns fast getrennt. Einen Grund für meine Lüge gab es eigentlich nicht, sondern einfach Angst vor ihrer Reaktion. Leider habe ich bei einer anderen, ebenfalls harmlosen Angelegenheit denselben Fehler nochmals gemacht. Betrogen habe ich sie aber nie. Wir haben über all diese Lügen und Probleme gesprochen und haben uns entschieden, zusammenzubleiben. Sie hat versprochen, nicht mehr immer gleich auszurasten. Auch ich lüge nicht mehr. Ich persönlich bin mir aber nicht sicher, ob ich schon bereit bin fürs Heiraten. Bin ich zu jung? Habe ich zu wenig gesehen als Single? Soll meine Verlobte die letzte Frau in meinem Leben sein? Ich würde sie nie betrügen und möchte einfach möglichst sicher sein, dass es richtig ist.“ Rocco, 27


Lieber Rocco, Sie haben den Mut, sich festzulegen und mit Ihrer Freundin eine gemeinsame Zukunft zu planen. Dazu gratuliere ich Ihnen! Das heisst aber nicht, dass Sie von nun an Ihr eigenes Leben aufgeben und sich den Wünschen der Freundin unterordnen sollen. Wenn Sie bloss vermuten, dass Ihrer Freundin etwas nicht gefallen könnte, tun Sie es nicht. Oder Sie kriegen sofort ein schlechtes Gewissen und streiten alles reflexartig ab. Damit verleugnen Sie sich selbst und machen sich klein. Was in Ihrer Kindheit bei der Mutter vermutlich eine bewährte Strategie war, ist für das Zusammenleben in einer gleichwertigen Partnerschaft untauglich. Wir Frauen möchten keine artigen ‚Bubis‘, die der Frau nur nach dem Mund reden, sondern selbstbewusste Männer, die sagen, was sie wollen. Eine Ehe kann langfristig nur gelingen, wenn beide Partner zu ihren Wünschen und Bedürfnissen stehen und sie – in gegenseitigem Respekt – miteinander ausdiskutieren. Sagen Sie Ihrer Verlobten, dass Sie in nächster Zeit wieder vermehrt Ihre Freundschaften und Hobbys pflegen möchten und dass sie aufhören soll, Sie wegen dieses banalen Vorfalls zu terrorisieren. Übrigens: Wenn Sie das dauernde Recht-Machen aufgeben und mehr zu Ihren eigenen Bedürfnissen und Wünschen stehen, wird auch Ihre Sexualität wieder lebendiger. Ob dies ‚lebenslänglich‘ so bleibt, kann ich Ihnen allerdings nicht garantieren.


© Text: Christine Hefti, Foto: Wix

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© 2020 by Christine Hefti. Fotos: Fotolia, Wix, Canva

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