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Minimalistin




"Unsere älteste Tochter ist 15 Jahre alt und war schon immer ein aufmüpfiges Kind. Nun ist es in der Pubertät noch schlimmer geworden. Eigentlich ist sie intelligent, aber in der Schule war sie immer ‚faul’. Als es um die Gymiprüfung ging, hatte sie angestrengt und ihre Noten haben sich verbessert. Doch sie hat leider nicht bestanden. In der Sekundarschule war sie eher mittelmässig, da sie eben nicht viel lernt. Jetzt geht es um die Lehrstellensuche. Ich habe mit ihr eine Bewerbung vorbereitet und sie weiss auch, wo man im Internet die offenen Stellen findet. Sie müsste den Text nur noch anpassen, doch sie zögert alles immer hinaus und macht nichts. Ich habe auch keine Lust, immer alles für sie zu machen, wie als sie noch kleiner war. Ich versuche, ihr eine Frist zu setzen, doch das nützt auch nichts, dann flippt sie aus. Wir haben ständig Streit. Sie hat auch schon einmal erwähnt, dass sie abhauen möchte." Maja, 47


Liebe Maja, Ihre Tochter scheint ein ehrgeiziges Mädchen zu sein. Sie wollte das Ziel des Gym- nasiums erreichen und gab sich Mühe. Leider war die Entscheidung zu kurzfristig, der Stoff zu wenig verankert. Das war ein Misserfolg, der Ihre Tochter im folgenden unbewussten Leitsatz bestätigte: „Wenn ich mich richtig anstrengen würde, könnte ich schon gut sein. Ich habe bloss keine Lust dazu.“ Faule Schüler sind ehrgeizig, aber entmutigt. Mit der Minimalisten-Strategie haben die perfekte Ausrede, um sich selbst vor einem möglichen Misserfolg zu schützen. Bei der Lehrstellensuche stehen die Jugendlichen in hohem Masse auf dem Prüfstand, weil sie mit dem Risiko einer Absage konfrontiert sind. Mit ihrer Bewerbung sollten sie sich immerhin von der ‚breiten Masse‘ abheben — eine hohe Anforderung. So weicht Ihre Tochter auch hier aus, spürt aber den Zeitdruck und Ihre Enttäuschung. Das bringt sie in Not und Verzweiflung. Dass Sie als Mutter ihr nun nicht mehr alles abnehmen möchten, ist richtig. Gerade auf der Lehrstellensuche sind die Jugendlichen aber auf die Unterstützung von uns Eltern angewiesen. Lassen Sie also die emotionalen Kampfbälle Ihrer Tochter vorbeifliegen und bleiben Sie sachlich. Setzen Sie sich mit ihr hin und erarbeiten Sie zusammen die perfekte Bewerbung! So gewinnt das Mädchen Zuversicht, dass es bestimmt eine gute Lehrstelle finden wird.


© Text: Christine Hefti, Bild: Stockfotos


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