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Teenager in Opposition

"Es geht um unsere Tochter, 16. Sie macht uns seit Jahren das Leben schwer, ist ständig in Opposition. Vor ein paar Monaten wurde bei ihr eine schwere Augenkrankheit festgestellt. Um diese zu stabilisieren hätte sie regelmässig Linsen tragen sollen. Sie hatte aber keine Geduld, trug sie nicht, oder nahm sie sofort wieder raus, wenn niemand schaute. Dasselbe hatten wir schon mit der Zahnspange. Das unregelmässige Tragen der Linsen hat dazu geführt, dass die Krankheit fortschritt und eine OP nötig wurde. Nun müsste sie aber die Linsen wieder tragen, was sie einmal mehr nicht tut. Langer Rede kurzer Sinn: Ihr Verhalten stresst die ganze Familie, ständig gibt es Diskussionen, Geschrei. Sie steht fast täglich zu spät auf, wir müssen alles kontrollieren, man kann mit ihr keine Abmachungen treffen. Die ganze Familie, auch ihr kleiner Bruder, leidet." Eliane, 47


Liebe Eliane Sie führen offenbar schon seit Jahren einen Machtkampf mit Ihrer Tochter. Wie es aussieht, hat sie im Gegensatz zu ihrem Bruder oft negative Aufmerksamkeit erhalten: Mit Aufbrausen und Verweigerung konnte sie ihren Willen durchsetzen und man musste immer ‹hinter ihr her› sein. Seit ein paar Monaten kommt noch der brisante Schauplatz mit den Linsen hinzu. Je mehr Sie aber hinter ihr her waren, desto mehr erhielt sie Aufmerksamkeit für «unerwünschtes» Verhalten, fürs Nicht-Kooperieren. Der Druck verstärkte Kränkung und Trotz. So sind Sie heute in der absurden Situation, dass Ihre Tochter sich nicht einmal für ihr Augenlicht verantwortlich fühlt: Im Gegenteil trägt sie die Linsen vermutlich extra nicht, um Sie zu bestrafen und sich für Ihre dauernde Kritik zu rächen. Mit Kindern einen Machtkampf zu führen, ist ein aussichtsloses Unterfangen: Es gibt dabei nur Verlierer: Beide sind unglücklich, und Sie kostet es Ihre ganze Kraft. Wie wäre es also, wenn Sie aus dem Kampf aussteigen und die Strategie der Positivität versuchen? Radikal! Teilen Sie Ihrer Tochter mit, dass sie nun schon bald erwachsen ist, und Sie sich ab sofort nicht mehr einmischen werden. Zählen Sie ihre Stärken auf. Treffen Sie eine Abmachung mit ihr, dass sie von nun an ihren Wecker selber stellt und auch in den nächsten Tagen selbst herausfinden soll, wie viel Schlaf sie braucht. Auch ob sie die Linsen trägt, ihre Aufgaben macht oder ihr Zimmer aufräumt, liegt in ihrer Verantwortung. Zum Kämpfen braucht es immer zwei. Wenn Sie also aussteigen und ihr wohlwollend begegnen, wird sich auch das Verhalten der Tochter verändern.


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© Text: Dr. Christine Hefti, Foto: Depositphotos

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