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Unser Kleiner macht wegen jeder Kleinigkeit ein Theater

"Unsere beiden Buben sind 9 und 4 Jahre alt. Mit dem Älteren geht es ganz gut. Er hat es wie wir Eltern gern harmonisch. Der Kleine ist zwar ein Sonnenschein, aber er kann uns ganze Sonntage vermiesen. Wir wollen bei schlechtem Wetter fort und er macht ein Riesentheater, weil er seine Regenjacke nicht anziehen will. Die Farbe gefällt ihm nicht. Oder er hat Tics. Jedesmal, wenn wir aus dem Auto steigen, will er alle Türen nochmals selber zuschlagen und wir müssen in der Garage warten. Oder wir müssen ihn auf eine ganz spezielle Art am Morgen begrüssen. Sonst schreit er. Es ist mir zu dumm, wegen solchen Kleinigkeiten mit meinen Kindern rumzustreiten. Aber es wird immer schlimmer. Was raten Sie mir?" Sereina, 39

Liebe Sereina

Also mal grundsätzlich: Harmonie und Kindererziehung, das passt nicht zusammen. Wenn Sie es harmonisch haben wollen, dann organisieren Sie einen Babysitter und gehen mit Ihrem Mann ins Kino. Wir Eltern müssen bei unseren Kindern die Führung übernehmen, um unseren Kindern Halt und Orientierung zu bieten. Der Grosse ist der ‚Vernünftige’, während Ihr Kleiner offenbar entdeckt hat, mit speziellen Allüren Aufmerksamkeit zu erlangen. So etwas kann sich gerade bei kleinen Kindern schnell einspielen. Anfänglich denkt man: Okay, lassen wir ihm halt sein ‚Mödeli’. Und dann wird es immer schlimmer. Eine liebevolle Mutter , die bestrebt ist, die Kinder ernst zu nehmen, hat mir einmal erzählt, dass ihr Kleiner angefangen hat, ihr dauernd vorzuschreiben, was sie zu tun habe. Neuerdings darf sie nicht mehr allein aufs Klo, weil Ihr 3jähriger immer Sichtkontakt braucht. Abends muss sie 2 Stunden neben ihm liegen, sonst schreit er. Der Kleine fordert ständig Aufmerksamkeit und sie ist mit den Nerven am Ende. Ihre Partnerschaft leidet auch schon, weil ihr Mann sich zu kurz gekommen fühlt.

Kinder brauchen insbesondere in Problemsituationen nicht lange Erklärungen, sondern eine klare Kommunikation. Das gibt ihnen Sicherheit. Kinder wollen sich an den Eltern orientieren und nicht endlos diskutieren. Sagen Sie Ihrem Sohn heute Abend verheissungsvoll, dass ab sofort eine neue Regel gilt: Sie warten das nächste Mal nicht mehr und schauen zu, bis er die Autotüren zugeschlagen hat, sondern werden dann schon mal ins Haus gehen. Hat er noch Fragen dazu? Oder bei Entscheidungsfragen (Kleidung, Essen...) geben Sie ihm ab jetzt eine Wahl. Entweder er kann sich für DAS oder JENES entscheiden. Was möchte er nun? Wenn er jetzt weiter schreit, gibts gar nix, bzw. dann entscheiden SIE. Bleiben Sie ruhig und freundlich und lassen Sie sich nicht zu genervten emotionalen Reaktionen verleiten. Das kränkt das Kind und verhindert Kooperation erst recht. Lange Diskussionen und Erklärungen in der Problemsituation bringen auch nichts, weil sie als Verstärker wirken: Das Kind bekommt genau dann viel Zuwendung, wenn es sich unkooperativ verhält. So hat es keine Veranlassung, damit aufzuhören, sondern wird immer schlimmer. Es kann wegen 100 Situationen pro Tag ein 'Theater' geben. Wenn Sie sich dem Kind nicht mehr unterordnen, sondern sicher und bestimmt auftreten, werden Sie staunen, wie schnell sich Ihr Kleiner darauf einstellt. Kinder lieben Klarheit und neue Regeln!


© Text: Christine Hefti, Foto: Fotolia

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