Blog

Warum die Bindung zum Kind oberste Priorität hat

Neben körperlichen Bedürfnissen hat der Mensch auch psychische Grundbedürfnisse.

Das Grundbedürfnis #1 heisst Bindung. Was bedeutet Bindung?

Das Menschen-Baby ist eine soziale Frühgeburt. Es ist – im Gegensatz zu anderen Säugetieren – nach der Geburt völlig hilflos. Ohne die Zuwendung und Pflege seiner Bezugspersonen würde es sterben. Es braucht aber nicht nur Nahrung, um zu überleben. Die beeindruckenden Untersuchungen von René Spitz, John Bowlby und Mary Ainsworth ergaben, dass Menschen ein angeborenes Bedürfnis haben, enge und von intensiven Gefühlen geprägte Beziehungen zu Mitmenschen aufzubauen. Das bedeutet, dass sich das Kind, unabhängig von der Qualität der Beziehung, an seine Bezugspersonen bindet. Es möchte sich zugehörig fühlen und richtet sein ganzes Streben auf sie aus. Es ist von ihrer Zuwendung und Aufmerksamkeit abhängig. Die Bedrohung, von den Eltern verstossen zu werden, käme seinem Tod gleich. Ohne die Sorge und Zuwendung der Mutter (oder eines Mutterersatzes) würde das Kind in wenigen Stunden sterben. Dabei handelt es sich um mehr als nur körperliche Bedürfnisse. Ohne Zuneigung und Liebe und ohne geistige und körperliche Anreize durch die Mutter würde es sich nicht zu einem normalen menschlichen Wesen entwickeln. Die Mutter hat also die Aufgabe, auf die Signale des Kindes richtig einzugehen, damit das Kind eine gute, eine sichere Bindung zu ihr aufbauen kann. Es braucht Zeit, bis eine Mutter die Signale des Kindes richtig deuten kann. Bedeutet sein Weinen Hunger oder Unbehagen? Hat es heiss? Hat es kalt? Hat es Hunger? Fühlt es sich unwohl, weil die Windel nass ist? Hat es Schmerzen? Oder ist es ihm langweilig und möchte es bloss etwas Aufmerksamkeit und eine Geste der Zuwendung? Wenn die Mutter die Signale richtig deutet und angemessen auf sie eingeht, sind die Kinder 'sicher gebunden'. Sie fühlen sich sicher genug, ihre Umwelt zu erkunden. Unsicher gebundene Kinder müssen sich immer wieder bei der Mutter versichern, ob sie da ist, ob sie gesehen werden, ob sie geliebt werden. Sie sind ängstlicher und haben weniger Energie, die Umwelt zu erkunden. Bindung bedeutet dem Baby oder Kleinkind körperliche Nähe zu schenken. Mit ihm zu kuscheln, wenn es Nähe braucht, es zu trösten, wenn es Schmerzen hat, im Hilfe anzubieten, wenn es Hilfe braucht, es zu ermutigen, wenn es sich etwas nicht zutraut, ihm körperliche Nähe zu schenken, wenn es traurig ist, es in Ruhe zu lassen, wenn es Ruhe braucht. Bindung bedeutet, Nähe, Beziehung zum Kind herzustellen, es bedeutet, das Richtige zur richtigen Zeit zu tun.


Später, wenn Kinder reden können, brauchen sie auch Mitgefühl, Verständnis und Ermutigung. Sie möchten in ihren Handlungen und im Gespräch verstanden werden, um sich sicher und geborgen zu fühlen und Vertrauen aufbauen zu können. Das ist nicht immer einfach. Wie geht man mit einem wütenden Kind um, damit man die Bindung nicht gefährdet? Lesen Sie hier den Beitrag über das 'Gefühle spiegeln'. Wie tröstet man ein trauriges Kind? Wie Sie einem Kind Trost spenden können, lesen Sie hier. Die Bindung zu einem Kind hat immer oberste Priorität, weil es sonst das Vertrauen in die Menschen und die Zuversicht, dass Probleme gelöst werden können, verliert. Ein Kind, dessen Bedürfnisse nach Bindung immer wieder verletzt werden, etwa weil die Eltern seine Signale missverstehen oder falsch auf sie eingehen, wird später Belastungszeichen und Auffälligkeiten entwickeln und es schwerer haben, sich gesund zu entwickeltn und im Leben zurechtzufinden.


© Text: Dr. Christine Hefti, Foto: Canva

#bindung #erziehung #kinder


Bild%203_edited.jpg

© 2020 by Christine Hefti. Fotos: Fotolia, Wix, Canva

Dr. phil. Christine Hefti

Center Kirchplatz

Löwenstr. 17

CH- 8953 Dietikon/ Zürich

info[at]psychologische-praxis.ch

T: 078 708 05 09